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Helmut G. Müller - Kloster Hachborn
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Karfreitag und Ostern

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Herausgegeben von in Pfarrer in Wachenbuchen ·
„Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, /
und meine Zunge klebt mir am Gaumen,
und du legst mich in des Todes Staub. ….
vom Herrn wird man verkündigen Kind und Kindeskind.
Sie werden kommen und seine Gerechtigkeit predigen
dem Volk, das geboren wird. Denn er hat's getan.“ (Psalm 22, Todes- und Auferstehungspsalm Jesu)

Der Umbau von Pfarr- und Gemeindehaus hat seine staubigste Phase erreicht. Ich bin im Umzug. Habe mein Amtszimmer geräumt für die neuen Kinder. Das Erdgeschoß des Pfarrhauses gehört in Zukunft ganz dem Kindergarten und der Krippe. Die zukünftige "deutsche Elite" soll dort groß werden. In glorreichen vergangenen Zeiten war es schließlich auch so, dass ein Viertel der Geisteselite im evangelischen Pfarrhaus aufgewachsen ist. ;-)
Für den Umbau muss das komplette Erdgeschoß geräumt werden. Das Abbruchunternehmen Özkan holt die Tapeten von den Decken, reißt Wände und alten Fußböden heraus. Staub, überall Staub, und Schläge und Krach. Es wackelt alles. Ich hoffe, dass das alte evangelische Pfarrhaus den Wandel gut übersteht.
Doch zur Zeit habe ich im wörtlichsten Sinne die Nase voll. Der Staub vergangener Zeiten mischt sich mit Pollen des neuen Frühlings und das gibt eine eigenartige Mischung, die durch alle Ritzen zieht.

Es ist aber auch ermutigend, wenn es nicht nur des Todes Staub ist, sonder zugleich die Blütenpollen für neues Leben, selbst wenn in der Nase beides in gleicher Weise prickelt und sie verstopft.
Am Mittwochabend bin ich in den neuen Raum umgezogen. Just als alles nur noch Baustelle war und ich völlig verdreckt und verstaubt bin, erscheint ein junges Paar. „Wir wollen heiraten und suchen den Pfarrer“. Mit Akkuschrauber in der Hand erkennt man mich nicht gleich. Wo sollen wir hingegen? Die alten Räume sind nicht mehr und die neuen noch nicht. Irgendwo im Büro zwischen Umzugskartons findet sich dann doch noch ein Platz. Der Hinweis, dass wir die Kinderkrippe für junge Familien bauen ist mehr als eine gute Entschuldigung.

Am Gründonnerstag stehen zumindest Tisch und Stühle im neuen Amtszimmer schon so weit, dass man sich setzen kann.
Das nächste Paar erscheint: Wir wollen heiraten.
Als sei es ein Kommentar des Himmels zum aktuellen Frankfurter Tanzverbot: Ausgerechnet eine Tänzerin und ein Musiker, die sich auf den Weltmeeren begegnet sind.
Danach das letzte Abendmahl in der Kindertagesstätte, weil es keinen anderen Raum mehr gibt.

Am Karfreitag ist alles geräumt, bis auf die Scherben die der Bagger bei der Anlage unseres Kirchfriedhofs einst aus der Tiefe geholt hat. Eine Restauratorin hat die Grabbeigabe in liebevoller Puzzlearbeit wieder zusammengeklebt zu einem Gefäß wie eine Urne. Auch wenn Teile fehlen, so lass sich doch das Ganze erahnen. Das alte Stück, das Jahrhunderte in einem Grab lag, hatte ich sorgfältig aufbewahrt in meinem Schrank für Heiligtümer, neben dem Abendmahlskelch, dem Kornbrand des Herrn Jesus für heilbedürftige Pilger und den Aufzeichnungen des Pfr. Scheig aus den letzten Kriegstagen.
Weil das irdene Gefäß höchst zerbrechlich ist verbietet sich ein Platz in Umzugskisten. Ich hole mir die Genehmigung der Familienmanagerin ein, sie erst einmal hinter den siebenarmigen Leuchter im Wohnzimmer zu stellen, da sich derzeit nichts anderes findet.
Den Himmel bitte ich um Licht und Wärme, weil die neuen Räume wegen des Umbaus derzeit nicht an die Heizung angeschlossen werden können und der Zimmermann Tür und Fenster mit einem Brett zugeschraubt hat. Wir ersetzen letzteres durch eine Nottür, die zufällig noch rumsteht, aber Licht gibt es nur, wenn sie auf ist, was bei Regen und Kälte halt nicht geht.. Der Fußbodenverleger hat auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht hinterlassen: Wir sollen ihn anrufen. Leider hat er jedoch den Fußboden nicht gelegt und seine Telefonnummer hat er auch nicht hinterlassen. Aber wir werden sie schon noch rauskriegen, wenn der Architekt aus dem Osterurlaub zurück ist.
In der Osternacht dann großzügige Vergebung von allem, schöner Chorgesang und Kraft und Stärke beim Frühstück. Die Woche danach: Das nächste Traugespräch: Ein Telefontechniker - den schickte der Himmel und er sorgte auch gleich für den Umbau der Telefonanlage und funktionierende Netzwerkverbindungen. Alles sauber und ordentlich verlegt in einer Nachtschicht. Gott sei Lob und Dank. Langsam lüftet sich der Staub.
Die Kinder unserer Kinderwoche haben in der Schule ihr Ausweichquartier gefunden. Es klappt wohl auch alles ganz gut. Nur die Mitarbeiter der Betreuungseinichtung merken an, Die Jugendlichen mögen doch – wenn sie schon Jesus vom Kreuz holen – das nächste Mal bitte auch die Nägel aus dem Holz wieder herauszieht und mitnehmen und nicht einfach herum liegen lassen. So oder so ähnlich sagen sie es.
Am Freitag zum Feierabendmahl mit den Kindern und ihren Familien habe ich das Vergnügen mit dem jugendlichen Team die Kirche umzubauen und den Schluss der Josefsgeschichte zu erzählen: Das große Versöhnungsmahl der Brüder. Trotz böser Träume: Gott hat Gutes mit uns vor und es endet mit einem Tanz in der Kirche.
Ach ja, und dazwischen schaue ich mir noch die englische Traumhochzeit von Kate und William an. Man muss ja schließlich wissen, wohin die Träume gehen, bei den vielen Traupaaren, die hier in letzter Zeit zwischen all dem Staub auftauchen.




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