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Helmut G. Müller - Kloster Hachborn
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Kloster Hachborn

Kloster Hachborn


A.       Prämonstratenserinnen-Stift
Auch im Ebsdorfer Grund gab es während des Hochmittelalters mehrere freie Familien. Im Gegensatz zu den abhängigen Bauern, die an den Besitz ihres Grundherrn gebunden waren, verfügten diese Ortsadligen über eigenes Land. Darauf bauten sich die von Beltershausen eine Kirche und ließen deren Verselbständigung von der Pfarrei Ebsdorf 1151 durch benachbarte Freie bezeugen, unter ihnen auch „Volpertus de Habekebrunin“. Die Familie dieses ersten genannten Hachborners taucht später nicht mehr auf, muss aber im Ort ein freies Gut hinterlassen haben. Auf solchen Höfen ließ sich gern der damals noch junge Prämonstratenser Orden nieder, der das klösterliche Leben in die etwas offenere Form des Stiftes fasste. Dieser geistlichen Erneuerungsbewegung fühlten sich auch Adlige verbunden. So ermöglichten die Herren von Merenberg 1186 dem Prämonstratenser-Stift Arnstein eine Tochtergründung auf ihrem freien Gut in Hachborn, das sie wahrscheinlich geerbt hatten. Es lag abseits vom übrigen Merenberger Besitz und ließ sich daher kaum sinnvoll verwalten, konnte durch die Ordensgemeinschaft aber als Stützpunkt ausgebaut werden. Dafür gab es auch strategische Gründe: Die Fernstraße vom Rhein nach Nordhessen bog hier in den Ebsdorfer Grund ein und durchquerte die Zwester-Ohm an dieser besonders engen Stelle ihres Tals. Über der Mulde im Südhang, die für das Dorf genutzt worden war, entstand so das Stift auf einer Erhebung im abfallenden Gelände, die eine gute Aussicht bot und vielleicht schon den Ortsadelshof getragen hatte. Giso von Merenberg veranlasste die Hachborner Gründung, weil er sich selbst für ein Ordensleben entschieden hatte. Offenbar teilte er auch die Ideale der Prämonstratenser, die von weltlichem Einfluß frei sein wollten. Denn er gab das Stift 1189 aus dem Zugriff der Familie in die Schutzherrschaft des Verbündeten Erzbischofs von Mainz. Dieser gewährte seiner neuen Erwerbung wichtige Vergünstigungen: Sie wurde von Abgaben befreit und mit den Pfarrechten ausgestattet, die sowohl Einnahmen wie auch ein unabhängiges geistliches Leben sichern sollten. ' Während des Spätmittelalters konnte die Herrschaft der Landgrafen in Hessen ausgeweitet und schließlich gegen das Erzbistum Mainz durchgesetzt werden, womit auch das Stift Hachborn zunehmend unter ihren Einfluß geriet. Er zeigte sich unter anderem in dem Versuch der Neuordnung des klösterlichen Lebens, den die Regierung 1507 mit Hilfe der Bursfelder Reformbewegung unternahm.
Damals lebten in der Niederlassung, die nur anfangs auch Männer aufgenommen hatte, vor allem Töchter aus dem oberhessischen Orts Adel, denen hier ein standesgemäßes  Dasein anstelle der Vermählung ermöglicht wurde. Die letzten fünf verzichteten Anfang Dezember 1527 auf das Ordensleben und erhielten dafür eine angemessene Versorgung, wie es nach der Annahme der Reformation im Jahr zuvor und dem folgenden Beschluss zur Aufhebung der Klöster in Hessen unter Landgraf Philipp dem Großmütigen vorgesehen worden war. Dieser ließ die verstaatlichten Einrichtungen zunächst von Vögten verwalten, bei denen es sich oft um wirtschaftskundige ehemalige Ordenspersonen handelte. In Hachborn trat das Amt 1527 Johann Blanckenheim aus Marburg an, der zuvor Mönch im Alsfelder Augustinerkloster gewesen war. Als der Landgraf dann aber Geld für militärische Zwecke brauchte, verpfändete er große Teile des übernommenen Ordensbesitzes, so auch 1534 den in Hachborn.

B. Schloß und herrschaftliches Vorwerk

Am 1. 12. 1545 verkauften ihn die Pfandinhaber Kaspar Treis, Peter Prucken und Kunz Spitz weiter an Daniel Scheuernschloß, der einer alten Marburger Burgmannenfamilie entstammte und sich offenbar in hessischen Kriegsdiensten bewährt hatte. Denn darauf wurde besonders hingewiesen, als sein am Kasseler Hof beschäftigter Sohn Hans oder Johann 1562 im Testament Philipps des Großmütigen für den nächstmöglichen Zeitpunkt ein Lehnsgut im Wert von 1500 Gulden zugesagt bekam.
Hans Scheuernschloß erhielt als landgräfliches Lehen das vom Vater vormals pfandweise erworbene Hachborner Anwesen. Um es angemessen nutzen zu können, investierte er 460 Gulden zur Landverbesserung, 600 Gulden für Baumaßnahmen und betrieb 1570 die Verlegung des Pfarrsitzes nach Ebsdorf, denn dieser befand sich seit der Reformation in einem vom Baumgarten umgebenen Gebäude des ehemaligen Stiftes. Der Pfarrei wurden dafür 15 81 Zinseinnahmen vermacht. Bereits 1579 war der Kauf der Sandmühle erfolgt.
Während das hiesige Gut also erweitert wurde, trennte sich Scheuernschloß 1582 für 800 Gulden vom Burgmannenhof seiner Familie in der Marburger Ritterstraße. Offenbar wollte er sich in Hachborn einen Adelssitz schaffen. Dabei diente als Vorbild wohl sein neuer Dienstherr Ludwig IV., der infolge der Landesteilung 1567/68 Oberhessen regierte und Marburg zur Residenz ausbaute. So schufen Künstler von dort Denkmäler für die Hachborner Kirche. Als Hans Scheuernschloß am 2. 11. 1593 ohne männliche Nachkommen starb, fiel das Lehen an den oberhessischen Landgrafen zurück. Dieser gab es 1602 seinem Hofmeister Philipp Ludwig von Baumbach, der die alten Stiftsgebäude umgehend modernisieren ließ. Wohl nach Planungen des 1603 hier erwähnten und später als Baumeister in Darmstadt tätigen Martin Kersten(er) entstand eine Art Schloss im Renaissancestil. Das repräsentative „Haus Hachborn“ konnte Baumbach aber nicht lange nutzten, denn sein Verhältnis zur jungen zweiten Gemahlin Landgraf Ludwigs IV. wurde nach dessen Tod 1604 juristisch verfolgt und führte zum Einzug der Lehen. Die Erben des 1618 verstorbenen Baumbach einigten sich über den Verlust und eine finanzielle Abfindung 1625 mit Hessen-Kassel, zu dem nun die Marburger Region gehörte.
Das „Haus Hachborn“ geriet in die Wirren des Dreißigjährigen Krieges und wurde 1637 von durchziehenden Truppen geplündert. Es war gelegentlich Absteigequartier der Landgrafen, vor allem aber der Gutshof ihres Vorwerks, das sie als landwirtschaftlichen Betrieb seit 1631 auf jeweils sechs Jahre verpachteten. Der 1646 erwähnte Inhaber oder Conduktor Simon Rudolph starb am 24.2.1662. Sein Schwiegersohn Johann Hermann Arnd übernahm 1664 das Gut. Ab 1700 hatte es der „Kapitän über eine Kompagnie Landmiliz“ Konrad Hausmann inne, nach seinem Tod 1723 die Witwe Anna Maria Hausmann. Ihr folgten von 1752 bis 1758 Johann Andreas Bender und von 1758 bis 1764-dessen Sohn Johann Daniel aus Wirts (Haus Nr. 29). Letzterer zog bei Vertragsende in den Ebsdorfer Hof seiner Frau, der nach dem Pächter des ehemals klösterlichen Gutes „Klustermanns“ genannt wurde. Ab 1764 war Wilhelm von Vultée Conduktor. 1776 bewarb sich Johann Philipp Gerlach, der aus Roßberg stammte und nach Allendorf/Lumda geheiratet hatte, um das Vorwerk. Er bekam es auch, starb aber früh, so daß seine Witwe Luise Helene Gerlach in den Pachtvertrag eintrat, der bis 1782 lief. Als Conduktor folgte ihr Karl Friedrich Engel, der zuvor Verwalter bei den Rau von Holzhausen gewesen war. Er bewarb sich 1788 abermals, aber die Regierungsbehörde bevorzugte eine mitbietende Vereinigung aus zehn Hachbornern unter Peter Braun. Gegen sie hatte sich aber eine größere Gruppe anderer Einwohner mit dem Sprecher Johannes Kahl gewandt. Er stand schließlich der Genossenschaft vor, die sich nach schwierigen Verhandlungen aus Anhängern beider Parteien bildete und am 12.10.1789 den Erbleihebrief über das Vorwerk erhielt.

C. Der Abriss

Da es die 34 Hachborner unter sich aufteilen wollten, hatten sie aber zuvor seine nun überflüssigen und zudem heruntergekommenen Gebäude auf Abbruch vom Staat erwerben und die Hälfte der dafür vereinbarten 2000 Reichstaler anbezahlen müssen. Um den Restbetrag zu tilgen, verkaufte man das beim Niederlegen anfallende Material. Es wurde bei Bauvorhaben dieser Zeit im Ort oder wohl und darüber hinaus wiederverwendet. So verschwand die unter Haus Nr. 20 registrierte Anlage. Sie hatte die Geschichte Hachborns seit den ersten bekannten Vorgängen mitbestimmt und nacheinander als Stift, Schloß und Gutshof gedient. Von dem je nach Nutzung veränderten Gebäudekomplex, der um zwei Höfe gruppiert war und bis unmittelbar vor die Kirche reichte, blieben neben dem gewölbten „Klosterkeller“ nur Teilstücke der Umfassungsmauer erhalten.

nach Peter Unglaube: Kirche. In: Heinrich Lauer, Georg Mann, Peter Unglaube: Hachborn und Ilschhausen. Band I. Menschen und Häuser. Heimatverein Hachborn und Ilschhausen, Gießen 1995, S. 41–45

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