Goodbye Jonny - Blog - helmutg.mueller.de

Helmut G. Müller - Kloster Hachborn
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Goodbye Jonny

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Herausgegeben von in Persönliches ·
Eigentlich sollte es ein rauschendes Fest werden, am Wochenende nach Johannis. Mit allen Freunden, der Verwandtschaft, Schul und Studienkollegen. Die Einladung war verschickt, mit dem ihm eigenen Humor, manchmal derb aber auch herzlich: „Und schlägt der Arsch auch Falten: Wir bleiben doch die Alten! Der Bauch dagegen ist faltenfrei, vielleicht etwas dick, doch was ist schon dabei?
Wir leben, wir lieben, folgen Verstand, meistens Trieben. Und wenn am Ende alles zusammenfällt, dann ist das o.k., denn so ist sie, die Welt… So, das war´s! Bleibt gesund, soweit wie möglich. Ich freu mich auf euch! Euer ergebenster Diener, Peter.“
Leider hat ihn nun der Schlag getroffen mit 56 Jahren am 2. April. Das Ende kam plötzlich. Es blieb mir nur noch, die alten Kameraden zu informieren und einen Kranz zu bestellen. „Mehr einfarbig oder eher bunt?“ hat die Floristin gefragt. „Bunt“, antworte ich, „so wie sein Leben war.“ „Ja, ich weiß“ sagt sie, „ich habe ihn gekannt. Es war mein Tierarzt“.
Dixie, der alte Klassenkamerad ohne Unterschenkel kann nicht kommen, schickt aber noch eine Mail:
Wollte mit meiner kompletten Musik-Anlage incl Beamer-Show Peter's Gäste mit der musikalischen Gestaltung seines Hoffestes unterhalten, Anlage hat die Größenordnung für ein 1000 m² grosses Festzelt, ... Termin und meine Helfer waren schon fest eingeplant, sollte aber nicht sein. Peter hätte garantiert einen Riesenspass dabei gehabt.
Die meisten anderen der zum Fest geladenen Gäste sind heute da, auch wenn es kein 1000m² Zelt geworden ist, sondern nur die Friedhofskappelle in Cappel, die Musikanlage ist eine kleine Kirchenorgel und die Beamershow sind ein paar Kerzen um die Urne.
„Ich lebe und ihr sollt auch leben“, die Eingangsworte des Pfarrers sprechen an. Ob es so ist, auch gegen allen Anschein?
Peters Lebendigkeit entdecke ich, als ich während der Predigt den eigenen Gedanken nach gehe: Jetzt sehe ich es. Die Urne steht schief. Ja, so war er wohl. Kann nicht einfach gerade stehen bleiben, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. Gibt auch in dieser Form noch seien Kommentar ab.
Der Pfarrer bemüht sich irgendwas vom Herrn Jesus und seinen festgenagelten Händen am Kreuz zu erzählen und dass das auch mit dem Verstorbenen so gewesen sei. Doch der Prediger hat ihn wohl nicht wirklich gekannt. So schaut die Urne nun genauso schief und kirchenkritisch zu ihm hinüber wie er es auch zuvor war. Es hätte mich auch nicht gewundert, wenn er schon gar nicht mehr in der Kirche gewesen wäre. War er aber doch, und dafür hätte der Kollege ruhig mal etwas gründlicher recherchieren dürfen - denke ich für mich.
Später, nach der Beisetzung der Urne, treffe ich noch den Herrn Jesus bei einem Grab, das die Friedhofsgärtner offen gelassen haben. Ich frage ihn: „Was hältst du eigentlich von dieser Trauerfeier?“ Aber er sagt nichts, lächelt nur und schweigt. „Wir haben schon verstanden“, sagen andere, „du bist halt gnädig und barmherzig.“
Dafür kommt er aber auch anschließend noch zum Tröster vorbei, auf eine Tasse Kaffee. Nachdem sich alle ein bisschen gestärkt haben, nimmt er eine Gitarre und singt los: „Goodbye Johnny, goodbye Johnny, warst mein bester Freund. Eines Tages - eines Tages - mag`s im Himmel sein – mag`s beim Teufel sein - sind wir wieder vereint.“
„Das war er“, flüstern die Gäste. Und der Teufel hat seinen Schrecken verloren. Du kannst ja auch bei ihm einen himmlisch guten Freund wiedertreffen, ein rauschendes Fest feiern und die Höllenfeuer sind dabei bestimmt nichts anderes als Dixis große Beamer Show.



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